….eine ganze Stadt steht Kopf

…eine ganze Stadt steht Kopf….

..denn es ist Derby-Zeit in Hamburg.

Nun, solche Fußballspiele sind in der Bundesliga doch nichts Besonderes, zumal man die Mutter aller Derby`s hat: FC Schalke 04 vs. BVB Dortmund. Doch dieses Spiel ist für die Stadt und die Region was ganz Besonderes.

Warum wird sich der nicht so fußballaffine Leser jetzt fragen?

Diese Frage ist in einem Satz nicht zu beantworten, aber es geht dennoch!

 

St. Pauli ist eben St. Pauli und der HSV der HSV.

 

ST.PAULI: Es handelt sich hier um einen kleinen Hamburger-Stadtteil, der die Frechheit besitzt nun auch im Oberhaus des deutschen Fußballs zu spielen. Damit aber nicht genug, denn dieser Verein, aber auch der Stadtteil, fordern nun den nordisch unterkühlten „großen“ Hamburger Sport Verein heraus. Es treffen die feinen Hamburger-Kaufleute mit Ihren großen, wenngleich auch lange zurückliegenden, Erfolgen auf eine Mannschaft, die von sich selbst sagt  sie seien Freibeuter. Diese ganz besondere Situation spaltet nun die Stadt. Es geht hier bei weitem nicht um nur zwei Fußballclubs, nein hier geht es um Lebensphilosophie. Da haben wir auf der einen Seite St. Pauli mit seinem Rotlicht-Milieu, hier wo man das Astra aus der Pulle trinkt. Eine Fankultur, deren Macht selbst der Verein desöfteren schon zu spüren bekam. Wenn diese Fans was nicht wollen, dann wird es aber mal ganz schwer für den Club es durchzusetzen. Hier mischen sich Ärzte mit Hartz IV Empfängern, Unternehmensberater mit dem Malocher im Hafen. Im Stadion sind sie dann alle Gleich und begleiten singend, zu Hells Bells(einmalig in der Fußball-Bundesliga), ihre 11 Freibeuter aufs Spielfeld. Wer bei St. Pauli die großen Stars sucht, der wird leider enttäuscht. Hier ist jemand ganz anderes der Star – DER STADTTEIL –

 

Das sieht bei den rot Hosen, wie der HSV von seinen Anhängern genannt wird, ganz anders aus. Der HSV hat Jahr für Jahr den Anspruch um die Deutsche Meisterschaft mit zuspielen, dementsprechend herrscht dort eine ganz andere Transferpolitik. Beim HSV zählen nur große Namen, der aktuelle Superstar ist Ruud van Nistelrooy. Hier erwartet der Fan einfach große und spektakuläre Transfers und verknüpft eine sehr hohe Erwartungshaltung daran. Der HSV will auf „Weltverein“ machen und das wollen seine Fans auch sehen. Der HSV ist vornehm, wie es sich für Hamburger-Kaufleute eben gehört. Im Stadion gibt es einen Familien-Block und des Vereinslied gibt es als Karaokeversion an der Videoleinwand. Natürlich hat der Verein auch eine sehr stolze und gewachsene Fankultur, aber die haben es zum Teil sehr schwer das ganze Stadion mitzureißen.Das Publikum ist kritisch und mehr oder weniger erfolgsverwöhnt. Der HSV muss einfach abliefern, dass erwarten die Zuschauer.  Die Spieler und in der letzten Zeit auch zahlreiche Trainer sind sich dieser Aufgabe nicht immer bewußt. Die Fans tragen die Raute, das Vereinssymbol, im Herzen und verlangen diese Leidenschaft auch von ihrer Mannschaft.

Das war jetzt doch nicht ganz in einem Satz wie sich die Situation aktuell in Hamburg darstellt.

 

Heute ist Freitag und beide Lager bereiten sich auf den Sonntag vor. Es gibt wenige, die das Spiel an sich aus den Augen verlieren und mit Gewaltaktion aufwarten. Ich hoffe es wird friedlich sportlich verlaufen.

 

Das Derby beschäftigt natürlich auch die Hamburger Öffentlichkeit. Die Gazetten sind voll von Vergleichen der einzelnen Spieler. Fragen wie zum Beispiel: Schafft es der Kleine gegen den Großen, werden im Vorfeld dieses Spiels zig-fach gestellt und so schön nicht beantwortet. Jeder der auch nur im Ansatz mal was mit den beiden Vereinen zu tun hatte meldet sich zu Wort, ob man will oder nicht. Aber auch in den Büros, in den Fabriken und wo sonst auch immer wird über das Derby gesprochen und jeder hat eine Meinung, wenn er den Fußball-Fan ist. Die anderen, also die sich nicht für diesen Sport interessieren, die haben es richtig schwer, denn sie müssen sich für ein Lager entscheiden ob sie wollen oder nicht.

Ein Derby, egal in welcher Stadt, ist sicher kein kulturelles Ereignis ähnlich den Wagner-Festspielen in Bayreuth, aber dennoch bringt es eine ganze Region in Bewegung. Da ist auch gut so, denn in der Bewegung liegt die Kraft (Zitat Fanta 4).

Sonntag um 17:15 hat das ganze spekulieren ein Ende und wir haben ein Ergebnis(hoffentlich kein Unentschieden, dass ist kein Fisch kein Fleisch) und es geht sofort wieder von vorne los, denn dass schöne ist ja – ES GIBT EIN RÜCKSPIEL – Also Schluß der vielen Worte, sollen die Jungs doch Sonntag zeigen was sie drauf haben. Mir persönlich ist es nämlich völlig egal, denn mein Fußball-Herz schlägt seit 36 Jahren für einen anderen Club und ich bin nur im „Exil“ in Hamburg.

…Derby-Zeit in Hamburg…aus der Sicht und mit den Worten von…

 

Markus Zipp

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